So sieht es aus

Die Grundlagen für Echtzeitzahlungen

Mit Instant Payment (IP) wird eine Transaktion von Konto zu Konto innerhalb von Sekunden beschrieben, bei der der Zahlungsempfänger sofort über den Betrag verfügen kann. Der SEPA Standard SCTInst steht für SEPA Credit Transfer Instant und beschreibt die technische Umsetzung. Dabei handelt es sich um einen europäischen Standard zur Abwicklung von Überweisungen, der auf der SEPA-Überweisung basiert.

Sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch das European Payment Council EPC sowie die EU-Kommission unterstützen die breite Einführung (IP als „new normal“).

HDE Grafik zum Instant Payment. Zwei Hände halten zwei Mobiltelefone.

Die Herausforderung

Zusatzgebühren bremsen den neuen Standard aus

Die Umsetzung des Standards ist bislang freiwillig, zwar unterstützen in Europa und Deutschland viele Banken den Standard. Zur Etablierung eines europaweiten Überweisungsverfahrens fehlt allerdings die volle Verfügbarkeit.
Insbesondere die aktive Teilnahme (SCTInst-Auslösung) ist ausbaufähig.
Die Nutzung durch den Zahler wird sehr oft besonders bepreist. Preise von 25 Cent pro Überweisung sind nicht selten. Im Vergleich zur ‚normalen‘ SPEA-Überweisung, deren Kosten meist pauschal in den Kontoführungsgebühren enthalten sind, bleibt für IP nur die Rolle des Nischenproduktes. Eng verbunden mit einer breiten Nutzung in allen Geschäftsvorfällen ist die bequeme Zahlungsauslösung.
Entsprechende Produkte mit praktikabler Authentifizierung z.B. am POS werden von Banken nicht angeboten. Die Nutzung durch dritte Parteien (Zahlungsauslösedienstleister) ist nach wie vor komplex (Stichwort Open Banking).

Zeit zum Handeln

Die Echtzeit-Ökonomie wartet auf Echtzeitzahlungen

IP sollte zum „New Normal“ werden und damit den Kundenerwartungen in einer Echtzeitwelt gerecht werden. Im Zug-um-Zug-Geschäft, kann IP eine für beide Parteien sichere und sofortige Abwicklung darstellen.

IP bietet zudem die Möglichkeit, etablierte Zahlungsverfahren auf die Echtzeit-Infrastruktur zu überführen oder neue Zahlungsformen zu entwickeln, die sich der vorhandenen Echtzeit-Infrastruktur bedienen.

Der HDE hat gemeinsam mit GS1 Germany ein Denkmodell vorgelegt, das eine offene Zahlungsinfrastruktur auf SCTInst-Basis beschreibt und auch den POS-Bereich abdeckt (Arbeitstitel HIPPOS).

Für eine breite Verwendung müssen folgende Rahmenbedingungen festgeschrieben werden:

  • Alle kontoführenden Banken müssen verpflichtend SCTInst passiv und aktiv unterstützen
  • Verbot einer besonderen Bepreisung der SCTInst-Transaktion. Die Kosten müssen analog bisheriger Transaktionsgebühren in den Kontoführungsgebühren einkalkuliert werden
  • Entwicklung eines Open-Banking-Ansatzes zur Initiierung und Abwicklung einer SCTInst-Transaktion

Der europäische „Request to Pay-Ansatz“ kann zu einer Förderung von IP beitragen. Allerdings sind auch hier die Fragen nach einer kostengünstigen Anwendung für Zahler und Zahlungsempfänger und die Erreichbarkeit für Dritte Dienstleister sowie die praktikable Abwicklung in allen Kaufsituationen (online/POS) zu stellen.

Die Integration einer SCTInst-Abwicklung innerhalb eines Produktes kann sinnvoll sein, stellt aber noch keine Antwort auf die Forderung nach einem New Normal dar. Beispiel: die Umstellung der girocard-Transaktionen von einer technischen SEPA-Lastschrift SDD auf eine technische SEPAInst kann die Effizienz steigern, ist aber nicht per se mit einer breiten (offenen) Verfügbarkeit des Standards verbunden. Die Echtzeit-Ökonomie wartet auf Echtzeitzahlungen.

Ulrich Binnebößel
Zahlungsverkehr und Logistik
E-Mail: binneboessel@hde.de