So sieht es aus

Minijobs sind ein Erfolgsmodell für Deutschland

Die 450-Euro-Minijobs (kurz: Minijobs) sind im Einzelhandel nach wie vor von großer Bedeutung, um etwa die branchentypischen Stoßzeiten und Auftragsspitzen abfedern zu können. Minijobs haben sich auch in der Pandemie als wichtige Stütze erwiesen. Hinzu kommt die zunehmende Arbeitszeitsouveränität der Arbeitnehmer durch immer neue gesetzliche Teilzeitansprüche wie etwa der Brückenteilzeit. Minijobs sind also ein wichtiges Instrument, um die dadurch vermehrt freiwerdenden geringen Arbeitszeitkontingente aufzufüllen. Für viele Menschen sind Minijobs zudem auch eine gute Möglichkeit für einen Wiedereinstieg, etwa nach einer längeren Pause („Brückenfunktion“).

Die Herausforderung

Die Attraktivität der Minijobs muss bewahrt werden

Regelmäßige Entgelterhöhungen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Minijobber tatsächlich immer weniger Stunden arbeiten können. Damit reduziert sich die Attraktivität der beliebten Minijobs nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für Arbeitnehmer deutlich, da diese aufgrund des regelmäßigen Anstiegs der Verbraucherpreise über immer weniger Kaufkraft verfügen. Das ist insbesondere für die vielen Menschen unbefriedigend, die aufgrund ihrer Lebenumstände (etwa wegen Studium, Pflege o. Kinderbetreuung) gar keiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen können und daher auf Minijobs angewiesen sind.

Zeit zum Handeln

Ein Anheben der Verdienstgrenze ist überfällig

Die letzte Anpassung der Verdienstgrenze bei Minijobs von damals 400 € auf 450 € wurde zum Jahresbeginn 2013, also vor mehr als acht Jahren vollzogen. Das ist inzwischen sehr lange her. Eine einmalige Anhebung der Verdienstgrenze auf 600 € wäre daher jetzt mehr als überfällig, um die fortschreitende Entwertung der beliebten Minijobs umgehend zu stoppen. Der gesetzliche Mindestlohn wird bis zum 01. Juli 2022 auf dann 10,45 Euro ansteigen. Dies entspricht einem Anstieg um knapp 23 Prozent seit dessen Einführung zum 1. Januar 2015. Zudem sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Anhebungen des gesetzlichen Mindestlohns in den nächsten Jahren zu erwarten. Damit ist klar, dass auch die nun dringend erforderliche einmalige Anhebung der starren Verdienstgrenze auf 600 € langfristig nicht ausreicht. Erforderlich ist daher zusätzlich auch noch ein Anhebungsautomatismus, der verhindert, dass alle paar Jahre wieder dieselbe Diskussion geführt werden muss.

Der Einzelhandel ist mit 3,1 Millionen Beschäftigten als Branche einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist aber zu entnehmen, dass sich der seit Jahren rückläufige Trend bei den Minijobbern im Einzelhandel durch den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 weiter beschleunigt hat. So ist deren Anzahl in der Branche im Vorjahresvergleich (Stichtag 30.09.2020) nochmals um etwa 20.000 eingebrochen. Der Anteil der Minijobber an der Gesamtbeschäftigung in der Branche beträgt damit noch knapp 26 Prozent.

Arbeitsrechtlich gelten für Minijobber übrigens keine Besonderheiten. So haben Minijobber selbstverständlich auch Anspruch auf alle üblichen Arbeitnehmerschutzrechte (z. B. Kündigungsschutz, Urlaub, Entgeltfortzahlung bei Krankheit). Für die Arbeitszeitdokumentation gelten bei Minijobbern sogar besonders strenge Vorgaben. Darüber hinaus gelten im Sozial- und Steuerrecht Sonderregelungen: Der Arbeitgeber zahlt hier den Großteil in Form einer Pauschalabgabe (etwa 30 %). Minijobs sind für Arbeitgeber im Ergebnis damit sogar teurer als eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Der Vorteil, das Entgelt „brutto für netto“ auszahlen zu können, ist hier regelmäßig das entscheidende Argument. Oft lässt sich nur so das Personal, dass aufgrund der individuellen Lebensumstände gezielt nach Minijobs sucht, für Tätigkeiten mit geringen Arbeitszeitvolumen und hoher Flexibilität gewinnen. Es geht für die Unternehmen damit also nicht um die Kosten, sondern vielmehr um Personalgewinnung.

Steven Haarke
Geschäftsführer Arbeit, Bildung, Sozial- und Tarifpolitik
E-Mail: haarke@hde.de

Was sagen die Händler?

Bild von Björn Fromm, 
Vizepräsident des HDE, 
Geschäftsführer Fromm Lebensmittel GmbH

„Unternehmer müssen flexibel sein – klar. Besonders in der Pandemie waren wir häufig mit täglich wechselnden Herausforderungen konfrontiert. Als Team konnten wir da eine Menge ausgleichen. Dabei hat sich aber auch gezeigt, wie wichtig ein flexibler Personaleinsatz ist. Wir mussten Lücken füllen und Stunden ausgleichen. Unsere Minijobber waren eine große Hilfe. Die starre Einkommensgrenze ist allerdings überholt und sollte mindestens auf 600 Euro erhöht werden.“

Björn Fromm
Vizepräsident des HDE
Geschäftsführer Fromm Lebensmittel GmbH